Nachbarschaftszentrum-Suppenküche-Lichtenrade e.V.

Jeder der kommt erhält Hilfe, ohne dass Fragen gestellt werden.
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Geschichte

So fing alles an…

Die Idee zur Gründung einer Suppenküche in Lichtenrade kam dem inzwischen verstorbenen Ernst-Ludwig Koch, seinerzeit evangelischer Seelsorger im Bezirk. Herr Koch hatte schon 2003 den steigenden Bedarf im Bezirk erkannt. Bis Anfang 2005 ließ sich für diese Idee jedoch kein Träger finden, so wurde im April 2005 der bis heute in dieser Form existierende, gemeinnützige Verein Suppenküche Lichtenrade e.V. gegründet. Bis zum Sommer desselben Jahres wurde eine Örtlichkeit für die Zubereitung und Ausgabe des Essens in der Cafeteria der AHB gGmbH (Ambulante Hilfen Berlin) für das Wochenende gefunden, und es wurden einige Klinken geputzt, um die notwendigen Lebensmittelsponsoren unter den örtlichen Einzelhändlern zu akquirieren.

Ein erster bedeutsamer finanzieller Anschub kam von der Salvator Gemeinde. Kurz vor Eröffnung der Suppenküche widmete sie ihre Aktion zum damaligen Weltjugendtag unserem Projekt, und so konnten die ersten Löffel, Gewürze und ein Topf angeschafft werden. Sodann konnte ein Team von zunächst etwa zehn ehrenamtlichen Helfern angeworben werden.

Am Sonntag, den 04.September 2005, wurden der erste bunte Gemüseeintopf und ein Obstsalat an die ersten, schüchternen zehn Gäste ausgeteilt. Fortan wurde um Ehrenamtliche geworben, freitags und samstags Lebensmittel gesammelt und sortiert und ab Sonntag früh um 08:00 Uhr das warme Mahl zubereitet.

Da nach unserer Grundüberzeugung Bedürftigkeit nicht nur zwischen Daumen und Zeigefinger zu bemessen ist und auch die Grenzen der wirtschaftlichen Bedürftigkeit sehr unterschiedlich empfunden und auch als Schmach gesehen werden, verzichten wir als Suppenküche auf den Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit und gemäß unserer Satzung erhält ein jeder Gast ohne Ansehen der Person, des Alters oder der Herkunft und Religion etwas zum Essen. Bitte glauben Sie uns, wenn wir an dieser Stelle hinzufügen, dass man den Menschen die Armut leider all zu oft ansieht. Besonders ergreifend ist das bei den älteren Frauen, von denen man in verschiedenen Gesprächen erfährt, wie sie unter anderem Berlin nach dem Krieg wieder aufgebaut haben; oder bei Familien und Alleinerziehenden, welche sich redlich mühen, ihre Kinder zu guten Menschen mit einer reellen Bildungschance zu erziehen; hier scheitert es oft entweder an einer entsprechend bezahlten oder einer erziehungsverträglichen Arbeit, bzw. das Geld reicht nicht für den Besuch im Schwimmbad oder die notwendigen Schulmittel. Auch durch Krankheit in Armut geratene Mitbürger, darunter viele Rentner, gehören zu unserem Kundenkreis. Sie müssen sich monatlich entscheiden: Hole ich mir etwas zu essen oder darf es der Schleimlöser für die Erkältung sein, oder lasse ich den Blutverdünner mal weg, damit ich mir aus zweiter Hand eine Mütze in der Kleiderkammer kaufen kann.

Wir hoffen, durch unsere unbürokratische Hilfe die Hemmschwelle für die Betroffenen so niedrig wie möglich zu setzen und dadurch konkrete Hilfe leisten zu können. Frei nach dem Motto, vielleicht reicht das durch unsere Mahlzeit gesparte Geld ja nicht für die dringend benötigte Nachhilfestunde aber zumindest für etwas Medizin oder sogar den Besuch im Museum.

Dass das Angebot dankend angenommen wird, erfahren wir jeden Sonntag aufs Neue. Die Gästezahl wuchs ständig und somit auch die Bedürfnisse der Suppenküche.

Es entstand die Aufgabe der Müllentsorgung, die Ehrenamtlichen wurden über die Berufsgenossenschaft für Wohlfahrtspflege unfallversichert, eine Haftpflichtversicherung für den Verein musste her, der kleine haushaltsübliche Kühlschrank kam schnell an seine Kapazitätsgrenzen, ein Lagerraum musste besorgt werden und auch ein kleines Großkücheninventar musste angeschafft werden, welches mangels eines Lagerraumes vor Ort jedes Wochenende komplett hin und her transportiert wurde. Es wurde die Teilnahme an einigen Straßenfesten organisiert, welche weniger dem Zweck der Geldeinnahme dienten, als vielmehr der Werbung für die Suppenküche.

Im Sommer 2007 dann zog die Suppenküche mit der Ausgabestelle von der Finchleystraße 10 in die Finchleystraße 11. Dafür musste gemalert, Kücheninventar organisiert, fachlich angeschlossen und elektrisch installiert, ein Durchbruch für die Essensausgabe von der Küche in den Speisesaal gebaut werden – alles unter Beachtung der Vorschriften des Gesundheitsamtes. Selbstverständlich mussten auch Tische und Stühle angeschafft und überarbeitet werden. Freundlicherweise dürfen wir in diesen Räumen der AHB auch einen kleinen Vorratsraum nutzen, sodass nicht mehr alle Gegenstände wöchentlich hin- und hertransportiert werden müssen.

Einen großen Schritt, um den stetig gewachsenen Anforderungen gerecht werden zu können, ermöglichte uns in diesem Frühjahr die Wilhelm-Ehrecke-Stiftung. Sie finanzierte die Anschaffung eines starkstrombetriebenen 200-Liter-Kochkessels, den sich trotz dringenden Bedarfs die Suppenküche aus eigenen Mitteln noch auf Jahre hinaus nicht hätte leisten können. Damit ist die ausreichende Versorgung der Gäste des Sonntags langfristig sichergestellt. Wir zählen inzwischen pro Sonntag über 100 Bedürftige, die die Suppenküche in Anspruch nehmen, mit weiterhin steigender Tendenz.

Hieraus erwächst uns nun die nächste große Herausforderung, diesmal logistischer Natur. Damit jeder satt wird, mussten wir auch den Kreis unserer Lebensmittelsponsoren stetig erweitern. Die Tour unserer ehrenamtlichen Fahrer führt inzwischen durch den halben Süden Berlins; abgeholt wird natürlich in Lichtenrade, aber auch in Mariendorf, Tempelhof, Marienfelde, Lankwitz, Lichterfelde und sogar in Mahlow. Wie in den allerersten Wochen unserer Tätigkeit erfolgt die Abholung nach wie vor mit den PKW unserer Fahrer sowie mit dem PKW, den uns die Diakoniestation Lichtenrade am Wochenende zur Verfügung stellt. Empfindliche Ware wird für den Transport in Metro-Kühlboxen umgepackt. Die Fahrzeuge quellen regelmäßig über, so dass auf vielen Strecken mehrfach hin- und hergefahren werden muss. Diese komplett unökonomische aber notwendige Vorgehensweise fordert allen fleißigen Ehrenamtlichen bereits jetzt ein hohes Maß an Engagement und Improvisationsgeschick ab.