Nachbarschaftszentrum-Suppenküche-Lichtenrade e.V.

Jeder der kommt erhält Hilfe, ohne dass Fragen gestellt werden.
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Wir über uns

Im Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade erhält ein jeder Gast ohne Ansehen der Person, des Alters oder der Herkunft und Religion kostenlos etwas zum Essen. Da nach unserer Grundüberzeugung Bedürftigkeit nicht nur zwischen Daumen und Zeigefinger zu bemessen ist und auch die Grenzen der wirtschaftlichen Bedürftigkeit sehr unterschiedlich empfunden und auch als Schmach gesehen werden, verzichten wir als Suppenküche auf den Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit. Bitte glauben Sie mir, wenn ich an dieser Stelle hinzufüge, dass man den Menschen die Armut leider all zu oft ansieht.

Wir hoffen, durch unsere unbürokratische Hilfe die Hemmschwelle für die Betroffenen so niedrig wie möglich zu setzen und dadurch konkrete Hilfe leisten zu können. Frei nach dem Motto, vielleicht reicht das durch unsere Mahlzeit gesparte Geld ja nicht für die dringend benötigte Nachhilfestunde, aber zumindest für etwas Medizin oder sogar den Besuch im Museum.

Die Idee zur Gründung einer Suppenküche in Lichtenrade, einem gutbürgerlichen Ortsteil im Berliner Süden im Verwaltungsbereich Tempelhof-Schöneberg, kam dem inzwischen verstorbenen Ernst-Ludwig Koch, seinerzeit evangelischer Seelsorger im Bezirk, bereits im Jahr 2003.

Herr Koch hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die steigende Zahl sozial Schwacher in Lichtenrade und den daraus resultierenden Bedarf im Bezirk erkannt. Bis Anfang 2005 ließ sich für diese Idee jedoch kein Träger finden, so wurde im April 2005 der bis heute in dieser Form existierende, gemeinnützige Verein Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade e.V. gegründet. Bis zum Sommer desselben Jahres wurde eine Örtlichkeit für die Zubereitung und Ausgabe des Essens in der Cafeteria der AHB gGmbH für das Wochenende gefunden, und es wurden einige Klinken geputzt, um die notwendigen Lebensmittelsponsoren unter den örtlichen Einzelhändlern zu akquirieren.

Ein erster bedeutsamer finanzieller Anschub kam von der Salvator Gemeinde. Kurz vor Eröffnung der Suppenküche widmete sie ihre Aktion zum damaligen Weltjugendtag unserem Projekt, und so konnten die ersten Löffel, Gewürze und ein Topf angeschafft werden. Sodann konnte ein Team von zunächst etwa 10 ehrenamtlichen Helfern angeworben werden.

Am Sonntag, den 04.September 2005, wurden der erste bunte Gemüseeintopf und ein Obstsalat an die ersten, schüchternen 10 Gäste ausgeteilt. Fortan wurde um Ehrenamtliche geworben, freitags und samstags Lebensmittel gesammelt und sortiert und ab Sonntagfrüh um 08:00 Uhr das warme Mahl zubereitet. Die Gästezahl wuchs ständig und somit auch die Bedürfnisse der Suppenküche.

Es entstand die Aufgabe der Müllentsorgung, die Ehrenamtlichen wurden über die Berufsgenossenschaft für Wohlfahrtspflege unfallversichert, eine Haftpflichtversicherung für den Verein musste her, der kleine haushaltsübliche Kühlschrank kam schnell an seine Kapazitätsgrenzen, ein Lagerraum musste besorgt werden und auch ein kleines Großkücheninventar musste angeschafft werden, welches mangels eines Lagerraumes vor Ort jedes Wochenende komplett hin und her transportiert wurde. Es wurde die Teilnahme an einigen Straßenfesten organisiert, welche weniger dem Zweck der Geldeinnahme dienten, als vielmehr der Werbung für die Suppenküche.

Im Sommer 2007 zog die Suppenküche in das Nachbargebäude um. Dafür musste gestrichen, Kücheninventar organisiert, fachlich angeschlossen und elektrisch installiert, ein Durchbruch für die Essensausgabe von der Küche in den Speisesaal gebaut werden – alles unter Beachtung der Vorschriften des Gesundheitsamtes. Auch Tische und Stühle wurden angeschafft und überarbeitet. In diesen Räumen dürfen wir auch einen kleinen Vorratsraum nutzen, sodass nicht mehr alle Gegenstände wöchentlich hin- und hertransportiert werden müssen.

Aktuell werden durchschnittlich um die 150 Portionen an Eintopf und Obstsalat ausgegeben. Zusätzlich werden an alle interessierten Gäste, nachdem sie gespeist haben, auch die restlichen Lebensmittel zum Mitnehmen verteilt. Hierfür werden jedes Wochenende 172 Arbeitsstunden erbracht. In den Vorbereitungsarbeiten sind neben den Ehrenamtlichen jugendliche und erwachsene Mitarbeiter tätig, welche im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen von uns begleitet werden. Ein weiteres Aufgabengebiet ist die Präventionsarbeit in Kooperation mit verschiedenen Diversionsbüros der Stiftung „SPI“ Berlin. Hierbei betreuen wir Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren nach pädagogischen Ansätzen im Rahmen unserer Arbeit vor Ort. Der Bestand an ehrenamtlichen Mitarbeitern ist inzwischen auf über 50 gewachsen. Seit drei Jahren läuft ferner im Rahmen einer Kooperation mit der Georg-Büchner-Oberschule das Projekt „Soziale Jugendbildungsarbeit“, welches kontinuierlich weiterentwickelt werden soll. In diesem Projekt helfen jeweils vier Schüler der achten Klassen am Wochenende in der Suppenküche mit, die Erfahrungen werden im Ethik-Unterricht aufbereitet. Die meist gut situierten Schüler lernen so Aspekte der Armut im eigenen Umkreis kennen und erfahren, wie man selbst ohne große finanzielle Mittel vor Ort Hilfe leisten kann. Auch ein anderer Blick auf den Umgang mit Lebensmitteln kann hier vermittelt werden.

Viele neue Ideen begleiten uns in der wöchentlichen Arbeit mit unseren Klienten und zeigen uns den gewachsenen Bedarf über das normale Angebot der Suppenküche an einem Sonntag hinaus.

Denn das Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade ist in den wenigen Jahren ihres Bestehens inzwischen zu einem Ort der Begegnung und des sozialen Austausches geworden, hier trifft man sich nicht mehr nur zu einer warmen Mahlzeit, sondern hier werden die Ehrenamtlichen zu Vertrauenspersonen, und viele Besucher kommen mit ihren Sorgen und Fragen des Alltags.

Das zukünftige Angebot des Nachbarschaftszentrum Suppenküche – neben unserem „Kerngeschäft“, einer warmen Mahlzeit – soll Projekte der begleitenden, niedrigschwelligen sozialen Arbeit beinhalten. Vorgesehen sind z.B. individuelles Bewerbungstraining für Jugendliche und Wiedereinsteiger in den Beruf, Computerkurse für alle Generationen, ein Erzählcafe für alle, ein Proberaum für junge Musiker und eine „Schrauberwerkstatt“ für Jugendliche unter Anleitung. Die Angebote sollen hauptsächlich ehrenamtlich begleitet werden. Falls notwendig wird ein geringfügiger, nach Einkommen gestaffelter Auslagenersatz von den Teilnehmern erhoben.

Die jeweiligen Kursangebote sollen einen ergänzenden Charakter haben und sind keinesfalls professionelle Angebote der Sozialarbeit. Es steht vor allem die Aktivierung von Gemeinschaftsprojekten im Vordergrund, die den solidarischen Austausch fördern und den Gemeinsinn in Lichtenrade stärken sollen. Deshalb sollen die geplanten Projekte auch nur durch bürgerschaftliches Engagement entstehen, viele Besucher haben ein großes Potential an Begabungen und Fähigkeiten, die allen zu Gute kommen könnten. Es soll eine Form des gelebten Miteinanders sein, Stärken des Einzelnen sollen das Projekt in der Durchführung stützen und zum langfristigen Erfolg verhelfen.

Für die laufenden Aufgaben wie auch für die Zukunftspläne benötigt die rein ehrenamtlich betriebene Suppenküche dauerhaft Unterstützung von außen. Diese einzuwerben kostet viel Zeit und Kraft, die wir aber seit jeher gerne investieren. Der beste Weg ist nach wie vor die direkte Ansprache von Sponsoren und Gönnern. Auch die lokale Presse ist inzwischen auf uns aufmerksam geworden und widmet uns regelmäßig kurze Artikel. Im Jahr 2011 gewann das Nachbarschaftszentrum Suppenküche Lichtenrade sogar den Berliner Kulturpreis der BZ in der Kategorie Publikumspreis. Daneben zeigen wir Präsenz durch die Teilnahme an Straßenfesten, die Erstellung und Verbreitung von Flyern, die Registrierung bei Ehrenamtsbörsen, das Betreiben einer Website und neuerdings auch eines Facebook-Accounts. Auch von der Teilnahme an einem Wettbewerb wie diesem erhoffen wir uns natürlich, unabhängig von dem Ausgang, eine weitere Erhöhung unseres Bekanntheitsgrades und die damit verbundene Anerkennung des langjährigen aufopfernden Engagements aller unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter.